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Aufstand und Abgrenzung: Kritik des Insurrektionalismus
19:30
Donnerstag, 15.03.2018

Referent: Willi Bücking (Tübingen)

„Schlussendlich hätte man die Wut nie von der Politik lösen sollen. Ohne erstere verliert sich letztere im Diskurs, und ohne letztere erschöpft sich erstere im Gebrüll.“ schreibt das „unsichtbare Komitee“ 2007 in „Der kommende Aufstand“. Ihre Idee einer Revolte ohne Führer, Organisationen oder Forderungen, die stattdessen durch den unkoordinierten Aktionismus unabhängig voneinander agierender Individuen und loser Zusammenhänge entsteht, bewegen sie sich im ideengeschichtlichen Nachklang dessen, was gegen Ende des 19. Jahrhunderts als „Propaganda der Tat“ die schlagzeilen der bürgerlichen Presse Europas eroberte.
Die Idee des Aufstandes der, fern von traditionellen Mitteln des Arbeiterkampfes wie dem organisierten Streik, zur Revolution führt, ist mittlerweile zentraler Inhalt einer Fülle von Literatur. Im Vortrag soll, anhand einiger ausgewählter Texte, untersucht werden, warum gut 130 Jahre nachdem Kropotkin schrieb, es sei „eine Illusion zu glauben, dass einige Kilo Dynamit genug sein werden, um gegen eine Koalition von Ausbeutern zu gewinnen“, vermeintliche Anarchist*Innen wieder glauben, durch ein paar Briefbomben und Brandanschläge eine befreite Gesellschaft zu erreichen.
Der Vortrag bietet einen Einblick in die Theorien des Insurrektionalismus, sowie daraus entstandene Praxis-Phänomene, um nicht zuletzt eine Kritik am primitivistischen Konzept der Befreiung durch Zerstörung zu bieten. Er kann als Einführung in die Thematik, als Erstkontakt mit insurrektionalistischer Literatur betrachtet werden.

Donnerstag 15. März 2018, um 19:30 Uhr
im Stadtteilzentrum Gasparitsch
Rotenbergstraße 125
Stuttgart-Ost

Organisiert vom: aNeSt